Pressemitteilung

01.10.2026

Aus Drei mach Sechs- oder: wenn Partizipation schon bei der Anreise überrascht

Bild: KI generiert

Am 21. und 22. September hieß es wieder: Auf nach Hirschluch zum 11. Dialogforum!

Zwei Tage. Neun Workshops. 90 junge Menschen aus der Jugendhilfe. 30 Fachkräfte. Und jede Menge Fragen:
Was brauchen junge Menschen? Was läuft gut? Was muss sich ändern? Und – ganz wichtig – hören wir Erwachsenen eigentlich richtig zu?

Die erste kleine Lektion gab’s für uns direkt bei der Anreise. 😅
Der Plan: eine Einrichtung, drei junge Menschen.
Vor Ort dann: „Ach … IHR seid auch hier?!“
Denn eine zweite Einrichtung unseres Trägers aus Cottbus war ebenfalls angereist.
Und zack: Aus drei mach sechs. 😂

Für die Kids: ziemlich cool. Mehr Austausch, neue Kontakte und schnell die Erkenntnis: Moment mal … wir wohnen doch quasi um die Ecke. Warum treffen wir uns eigentlich nicht öfter?

Für uns Fachkräfte? Nun ja. Das erste Praxisbeispiel für „Kommunikation hat noch Luft nach oben“ hatten wir damit direkt selbst mitgebracht. ✔️

Und dann ging’s richtig los:
Schule und Ausbildung. Privatsphäre. Selbstbestimmung. Vorurteile. Mitsprache im Hilfeplanverfahren.
Und natürlich die Frage, bei der Fachkräfte automatisch ein bisschen genauer hinhören:
Wie sieht eigentlich der perfekte Betreuer oder die perfekte Betreuerin aus?
Spoiler: Den einen perfekten Menschen gibt’s natürlich nicht.

Aber die Wünsche dahinter waren ziemlich eindeutig:
Zuhören. Ehrlich sein. Transparent handeln. Verlässlich sein. Mitsprache ermöglichen. Junge Menschen ernst nehmen.
Eigentlich gar nicht so kompliziert. Eigentlich. 😉

So ein Dialogforum ist übrigens ganz schön viel Arbeit im Kopf: diskutieren, zuhören, andere Meinungen aushalten, Lösungen suchen, Fragen stellen und die eigene Position vertreten.
Da sind die Gespräche zwischendurch genauso wichtig:
„Wie viel Taschengeld bekommt IHR?!“
„Wie lange dürft ihr ans Handy?“
„Moment … DAS ist bei euch erlaubt?!“ 😳

Und genau da merkt man, warum dieses Format so wertvoll ist.
Junge Menschen hinterfragen, vergleichen und nehmen neue Ideen mit nach Hause. Ist das immer bequem für uns Fachkräfte, die sich vielleicht auch mal hinter einem „Das haben wir schon immer so gemacht“ verstecken? Sicher nicht.
Aber genau diese Diskussionen stärken nicht nur junge Menschen, sondern bringen auch uns fachlich weiter.
Partizipation darf schließlich auch ein bisschen unbequem sein.

Einige Aussagen waren allerdings alles andere als lustig.
Wenn junge Menschen das Gefühl haben, Erwachsene nehmen ihre Träume nicht ernst. Wenn Entscheidungen nicht transparent sind. Oder wenn sie berichten, dass Besuche bei der Familie noch immer als Sanktion gestrichen werden, dann müssen wir genauer hinhören.
Denn eine Erkenntnis bleibt:
Kinder und Jugendliche haben oft erstaunlich viel Verständnis für unsere Erwachsenenwelt. Vielleicht sollten wir uns mindestens genauso viel Mühe geben, ihre Welt zu verstehen.

Deshalb auch ein riesengroßes Dankeschön an Mandy Mitter und Christin Kliem ❤️ – für die Begleitung unserer Kids durch diese intensiven Tage. Und dafür, jetzt Ansprechpartnerinnen für all die Fragen, Ideen und vermutlich die eine oder andere neue Diskussion in den Einrichtungen zu sein.

Zum Abschluss wurden konkrete Ziele und Vereinbarungen für das kommende Jahr festgehalten. Denn Beteiligung heißt eben nicht nur:
„Man müsste mal …“
Sondern eher:
„Okay. Machen wir. Und dann schauen wir, was daraus geworden ist.“ 💪

Vielleicht nehmen wir euch hier auf Just Social zwischendurch ein bisschen mit – am besten gemeinsam mit den jungen Menschen.
Denn bis zum nächsten Dialogforum ist schließlich noch etwas Zeit.
Wobei … der Termin für 2027?
Von den Kids natürlich längst notiert. 😎📅

Nach elf Jahren zeigt das Dialogforum immer noch ziemlich deutlich:
Beteiligung braucht Räume. Beteiligung braucht Verbindlichkeit. Und Beteiligung braucht Erwachsene, die zuhören – auch wenn die Antwort nicht immer die ist, die sie gerne hören würden.

Deshalb können wir schon heute sagen: Bis 2027 in Hirschluch!
Dann vielleicht wieder mit drei.
Oder sechs.
Oder … ach, wir lassen uns einfach überraschen. 😎

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Text: Mareike Lentz, Trägerbeauftragte für Partizipation, Beschwerde und Kinderschutz in Brandenburg

KJLR Brandenburg

KiJuBB - Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg