07.07.2026
Glaube – Vertrauen und Zuversicht
Wenn wir heute auf das Paul Gerhardt Werk blicken, sehen wir einen fachlich anerkannten und wirtschaftlich stabilen Träger mit vielfältigen Angeboten für junge Menschen und Menschen mit Unterstützungsbedarf. Doch dieser Weg war keineswegs selbstverständlich.
Seit der Gründung des PGW im Jahr 1991 haben Mitarbeitende und Führungskräfte viele Herausforderungen erlebt. Nach der Wiedervereinigung veränderte sich die Jugendhilfelandschaft grundlegend. Einrichtungen wurden geschlossen, Plätze abgebaut, Arbeitsplätze gingen verloren. Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und beruflichen Kulturen mussten ihren Weg miteinander finden. Später geriet das PGW selbst in eine wirtschaftlich schwierige Lage. Die Sorge um die Zukunft war groß. Mitarbeitende verzichteten zeitweise auf einen Teil ihres Einkommens, um gemeinsam dazu beizutragen, den Fortbestand des Trägers zu sichern.
Was hat uns damals getragen?
Für manche war es der Glaube an Gott und die Gewissheit, auch in schwierigen Zeiten nicht allein zu sein. Für andere war es das Vertrauen in die gemeinsame Aufgabe, in die Kolleginnen und Kollegen, in die Kraft des Zusammenhalts und in die Bedeutung unserer Arbeit für die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.
Es war die Überzeugung, dass es sich lohnt, für junge Menschen einzustehen. Dass soziale Arbeit einen Wert hat. Dass Solidarität stärker sein kann als Resignation. Dass schwierige Zeiten vorübergehen können, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln.
Heute stehen wir erneut vor Herausforderungen. Finanzielle Kürzungen, unsichere politische Rahmenbedingungen und die Sorge um den Erhalt notwendiger Hilfen beschäftigen viele von uns. Besonders die Situation benachteiligter junger Menschen und unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter macht deutlich, wie wichtig unsere Arbeit weiterhin ist.
Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie sich die kommenden Jahre entwickeln werden. Aber wir können auf etwas vertrauen, das das PGW schon einmal durch schwierige Zeiten getragen hat: auf Gottvertrauen oder – unabhängig von einer religiösen Überzeugung – auf die Erfahrung, dass Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und eine gemeinsame Haltung Kraft geben. Darauf, „von guten Mächten wunderbar geborgen“ zu sein, ebenso wie auf unsere Erfahrung, unsere Fachlichkeit und unsere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Vertrauen und Zuversicht bedeuten nicht, Probleme zu übersehen oder Sorgen kleinzureden. Sie bedeuten, trotz aller Unsicherheiten daran festzuhalten, dass unser Engagement einen Unterschied macht. Sie bedeuten, darauf zu vertrauen, dass wir Herausforderungen gemeinsam bewältigen können.
Die Geschichte des PGW zeigt: Schwierige Zeiten gehören zu unserem Weg. Aber ebenso gehören Mut, Zusammenhalt und die Fähigkeit dazu, neue Wege zu finden.
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Text: Hubert Hellmann, Gesamtleitung PGW